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Wie aus einer einfachen Zeichnung ein ganzer Roman wurde – Die Entstehung von „Der Herzensammler“

simongra
13. Okt.
8 Min. Lesezeit


Von einer kleinen Halloween-Skizze im Oktober 2025 bis zum fertigen Psychothriller – ein persönlicher Rückblick auf ein Jahr voller Ideen, Zweifel, Entscheidungen und kreativer Entwicklung.


Alles begann mit einer Zeichnung

Im Oktober 2025 hatte ich eigentlich gar nicht vor, einen Roman zu schreiben.

Ich beschäftigte mich zu dieser Zeit mit verschiedenen kleineren Zeichnungen und digitalen Sketchen rund um Halloween, Horror und düstere Motive. Zu einigen dieser Bilder dachte ich mir kurze Gruselgeschichten aus, die ungefähr drei Minuten dauerten und die ich anschließend mithilfe künstlicher Intelligenz vertonte.

Es waren kleine kreative Experimente, bei denen ich meine Begeisterung für das Zeichnen mit dem Erzählen von Geschichten verbinden konnte.

Eines Tages entstand eine weitere Skizze: eine knöcherne Skeletthand vor einem dunklen Hintergrund.

Als ich die Zeichnung fertiggestellt hatte, war ich allerdings nicht ganz zufrieden. Irgendetwas fehlte. Das Motiv wirkte auf mich zu leer.



Also überlegte ich, was diese Hand eigentlich festhalten könnte.

Schließlich kam ich auf die Idee, ihr ein menschliches Herz hinzuzufügen.

Was damals lediglich eine spontane gestalterische Entscheidung war, sollte später zur unverwechselbaren Signatur des Serienmörders in meinem ersten Roman werden.

Zu diesem Zeitpunkt wusste ich davon allerdings noch nichts.


Vom Tod zum menschlichen Serienmörder

Wie bei meinen vorherigen Halloween-Zeichnungen entstand auch zu diesem Motiv zunächst eine kurze Gruselgeschichte.

Die ursprüngliche Idee war ziemlich abstrakt: Der Tod persönlich, der seinen Opfern wortwörtlich das Herz aus der Brust reißt.

Doch je länger ich mich damit beschäftigte, desto weniger überzeugte mich dieser Ansatz. Ich wollte etwas Greifbareres erzählen. Eine Geschichte, die zwar grausam und verstörend sein durfte, deren Täter aber tatsächlich als Mensch existierte.

So entstand die Vorstellung eines Psychopathen, der jungen Frauen das Herz entnimmt und damit gewissermaßen stellvertretend für den Tod handelt.

Aus einer übernatürlichen Horrorfigur wurde ein menschlicher Serienmörder.

Die Kurzgeschichte, die ich daraufhin schrieb, enthielt bereits wesentliche Elemente des späteren Romans. Tatsächlich entspricht ihr Anfang noch heute zu ungefähr 70 Prozent dem Prolog meines fertigen Buches.

Ich veröffentlichte diese Geschichte sogar für kurze Zeit, nahm sie jedoch wieder zurück.

Denn inzwischen war mir eine andere Idee gekommen.



Warum nicht endlich ein ganzes Buch schreiben?

Ich hatte damals Urlaub und damit etwas mehr Zeit als gewöhnlich.

Schon mehrfach hatte ich in der Vergangenheit mit dem Gedanken gespielt, ein eigenes Buch zu schreiben. Wirklich umgesetzt hatte ich dieses Vorhaben allerdings nie.

Nun hatte ich zumindest eine Grundidee, die mir ausreichend Potenzial zu bieten schien: einen Serienmörder mit einer auffälligen, wiedererkennbaren Signatur.

Also begann ich, die ursprüngliche Kurzgeschichte auszubauen.

Dabei stellten sich ziemlich schnell neue Fragen.

Wo sollte diese Mordserie eigentlich stattfinden? Wie könnte sich die Handlung über mehrere Hundert Seiten entwickeln? Und braucht eine gute Kriminalgeschichte nicht auch einen Gegenspieler, der versucht, den Täter zu stellen?

Noch war Anna Slotkova nicht geboren.

Aber die Idee zu ihrer Figur war es bereits.

Ich entschied mich ganz bewusst für eine weibliche Ermittlerin. Das hatte vor allem dramaturgische Gründe. Ein späteres Aufeinandertreffen zwischen ihr und dem Täter stand für mich von Anfang an fest. Es war kein optionaler Handlungspunkt, sondern etwas, das für mich unweigerlich zu dieser Geschichte gehörte.

Wie es dazu kommen sollte, wusste ich allerdings noch nicht.

Die ersten 50 Seiten – ohne wirklichen Plan

Während dieser Urlaubswoche schrieb ich die ersten ungefähr 50 Seiten nahezu am Stück.

Ich schrieb intuitiv, ohne ausgearbeiteten Kapitelplan und ohne zu wissen, wohin mich die Handlung letztendlich führen würde.

Mein eigentliches Ziel war zunächst ziemlich simpel: Aus dieser Idee sollte endlich einmal ein vollständiger Roman werden.

Rückblickend ist es interessant, wie viel von der späteren Geschichte bereits in diesen ersten Seiten angelegt war.

Anna, ihr Kater Milo, ihre persönlichen Eigenheiten und kreativen Hobbys waren ebenso Bestandteil dieser frühen Fassung wie ihr späterer Ermittlerkollege Mert Balci.

Zugegeben: Die Nachnamen der meisten Figuren entstanden erst deutlich später und wurden teilweise eher zufällig ausgewählt. Eigentlich wollte ich bis auf Anna sogar gar keine weitere Figur mit Namen versehen, aber ich musste schnell einsehen, dass eine längere Geschichte mit mehr Tiefe so nicht funktionieren kann.

Auch der zweite große Erzählstrang des Romans nahm damals bereits seinen Anfang.

Allerdings weniger aus einer langfristig durchdachten dramaturgischen Entscheidung heraus, sondern vielmehr aus einer gewissen Unsicherheit.

Ich hatte Sorge, dass die eigentliche Mordserie um den Herzensammler vielleicht nicht genug Stoff für einen ganzen Roman bieten würde. Oder dass mir irgendwann schlicht nichts mehr dazu einfallen könnte.

Deshalb begann ich, Annas Vergangenheit stärker in die Handlung einzubeziehen.

Da sie zu Beginn des Romans zwar als junge, aber bereits erfahrene Ermittlerin vorgestellt wird, erschien es mir naheliegend, auch ihre berufliche Vorgeschichte aufzugreifen.

Dass daraus ein zweiter, vergleichsweise umfangreicher Kriminalfall entstehen würde, der sogar die Grundlage für eine mögliche Fortsetzung bilden könnte, war damals überhaupt nicht abzusehen.

Manchmal entwickeln Geschichten offenbar eine Eigendynamik, die selbst ihren Autor überrascht.

Eine Pause und die ersten bewussten Lernprozesse

Nach dieser intensiven ersten Schreibphase folgte zunächst eine mehrwöchige Unterbrechung.

Zum einen hatte mich der Arbeitsalltag wieder eingeholt. Zum anderen beschäftigte ich mich zwischenzeitlich intensiver mit meiner Malerei.

Ganz aus den Augen verlor ich das Buchprojekt allerdings nicht.

Ich begann, mich bewusster mit dem Schreibhandwerk auseinanderzusetzen. Ich las nach, wie andere Autoren Szenen aufbauen, Dialoge gestalten und bestimmte Situationen sprachlich darstellen.

Außerdem nutzte ich künstliche Intelligenz, um Begriffe zu recherchieren, Formulierungen zu überprüfen und mich mit sprachlichen Alternativen auseinanderzusetzen.

Ich halte den Einsatz von KI beim Schreiben grundsätzlich für legitim, solange sie als Werkzeug eingesetzt wird und nicht die eigene kreative Arbeit ersetzt.

Für mich war und ist sie vor allem eine Möglichkeit, fehlendes Wissen zu erschließen, sprachliche Unsicherheiten zu überprüfen und eigene Texte kritisch zu hinterfragen.

Die Figuren, ihre Beziehungen, die Handlung und die kreativen Entscheidungen blieben dabei meine eigenen.

Aus einer spontanen Idee wird ein strukturiertes Projekt

Gegen Ende des Jahres 2025 schloss ich schließlich den ersten Akt meines Romans ab.

Gleichzeitig begann ich, die weitere Handlung erstmals systematisch zu planen.

Ich entwickelte eine feste Grundstruktur mit drei Akten, legte die Anzahl der Kapitel fest und bestimmte, welche Ereignisse in den einzelnen Abschnitten stattfinden sollten.

Ein endgültiges Finale hatte ich zu diesem Zeitpunkt allerdings noch immer nicht im Kopf.

Ich wusste lediglich, dass Anna im Verlauf der Geschichte sowohl mit dem Serienmörder in Dortmund als auch mit dem Täter aus ihrer Vergangenheit in Berlin konfrontiert werden musste.

Wie diese Begegnungen konkret aussehen würden, blieb zunächst offen.

In mehreren längeren Schreibphasen begann ich anschließend, die geplanten Kapitel mit Leben zu füllen.

Parallel dazu überarbeitete ich bereits den ersten Akt.

Mir war wichtig, dass die Handlung trotz ihrer unterschiedlichen Erzählstränge logisch blieb, Figuren nachvollziehbar handelten und frühere Ereignisse nicht im Widerspruch zu späteren Entwicklungen standen.

Dabei merkte ich zunehmend, dass das Schreiben eines Romans weit mehr bedeutet, als einfach nur eine Geschichte zu erzählen.

Wie sich mein Schreibstil während des Romans veränderte

Zwischen der Entstehung des ersten und der späteren Akte lagen teilweise mehrere Wochen oder sogar Monate.

Diese zeitlichen Abstände machten sich auch in meiner Arbeitsweise bemerkbar.

Während ich den Anfang noch weitgehend intuitiv geschrieben hatte, ging ich bei den späteren Kapiteln wesentlich strukturierter vor.

Ich hatte inzwischen mehr über Szenengestaltung, Dialogführung und Erzähltechniken gelesen, unterschiedliche Formulierungen kennengelernt und eine klarere Vorstellung davon entwickelt, welche Wirkung einzelne Passagen erzielen sollten.

Auch wenn das Finale noch nicht in allen Einzelheiten feststand, kannte ich mittlerweile zumindest die Richtung, in die sich meine Geschichte bewegen sollte.

Rückblickend erkenne ich deshalb innerhalb des Romans auch meine eigene Entwicklung als Autor.

Der erste Akt entstand aus einer spontanen Begeisterung heraus. Die späteren Teile profitierten zunehmend von Erfahrung, Planung und einem bewussteren Umgang mit Sprache und Dramaturgie.

Für mich ist „Der Herzensammler“ deshalb nicht nur mein erster Roman, sondern auch eine Art Dokument meines persönlichen Lernprozesses.

Juni 2026 – Das erste vollständige Manuskript

Im Juni 2026 war es schließlich so weit.

Die erste vollständige Manuskriptfassung von „Der Herzensammler“ war abgeschlossen.

Aus einer kleinen digitalen Zeichnung und einer wenige Minuten langen Gruselgeschichte war ein Psychothriller mit ungefähr 63.000 Wörtern geworden.

Allerdings bedeutete ein vollständiges Manuskript noch lange nicht, dass das Buch tatsächlich fertig war.

Im Gegenteil.

Nun begann eine weitere intensive Arbeitsphase, die ich anfangs vermutlich unterschätzt hatte.

Ich las das Manuskript erneut, überarbeitete Szenen, korrigierte sprachliche Fehler und überprüfte die Handlung auf Widersprüche.

Hinzu kamen Anmerkungen von Testlesern, verschiedene KI-gestützte Korrektur- und Lektoratsdurchläufe sowie Rückmeldungen aus der Verlagsbranche.

Verlagssuche, Rückmeldungen und professionelles Lektorat

Auch die Suche nach einem geeigneten Verlag gehörte zu diesem Lernprozess.

Ich beschäftigte mich mit Exposés, Anschreiben, Veröffentlichungsmöglichkeiten und den unterschiedlichen Arbeitsweisen von Verlagen.

Natürlich erhielt ich dabei auch Absagen.

Gleichzeitig bekam ich jedoch mehrere positive und ermutigende Rückmeldungen, die mir zeigten, dass meine Geschichte durchaus Potenzial hatte.

Besonders hilfreich waren Hinweise zu dramaturgischen Aspekten, zum Erzähltempo, zur Ausarbeitung einzelner Figuren und zur Gewichtung der verschiedenen Handlungsstränge.

Schließlich kam es zur Zusammenarbeit mit dem Rediroma Verlag und einem professionellen, umfangreichen Verlagslektorat.

Dafür möchte ich mich ausdrücklich bedanken.

Auch hier zeigte sich, wie wichtig es ist, die eigene Arbeit nicht als unantastbar zu betrachten.

Ein Manuskript kann noch so viel Zeit und persönliche Energie gekostet haben – das bedeutet nicht, dass jede Szene, jeder Dialog und jede Formulierung bereits optimal ist.

Konstruktive Kritik anzunehmen, sie zu prüfen und daraus Verbesserungen abzuleiten, gehört für mich inzwischen genauso zum Schreiben wie das eigentliche Verfassen der Geschichte.

Ein Projekt, das ich eigenständig aufgebaut habe

Wenn ich heute auf die Entstehung von „Der Herzensammler“ zurückblicke, fällt mir vor allem auf, wie viele unterschiedliche Aufgaben mit diesem Projekt verbunden waren.

Es ging längst nicht mehr nur darum, einen Text zu schreiben.

Ich musste Ideen entwickeln, Figuren gestalten, Handlungsstränge koordinieren, recherchieren, Zeit einteilen, Probleme lösen, Entscheidungen treffen und mich mit Dingen beschäftigen, von denen ich zu Beginn kaum etwas wusste.

Das gesamte Projekt habe ich eigenständig aufgebaut und organisiert. Dabei ging es nicht nur um die Entwicklung und Ausarbeitung der Geschichte, sondern auch darum, zahlreiche Entscheidungen selbst zu treffen und dafür Verantwortung zu übernehmen.

Das reichte von der Gestaltung der Figuren und der dramaturgischen Entwicklung über die Überarbeitung des Manuskripts bis hin zur Covergestaltung und der Entscheidung über das endgültige Erscheinungsbild des Buches. Auch Fragen zum Buchformat, zur Umschlaggestaltung und zur optischen Wirkung des fertigen Romans gehörten dazu.

Gerade die gestalterischen Entscheidungen waren für mich als Künstler ein besonders interessanter Teil des Projekts. Schließlich sollte das Buch nicht nur inhaltlich meine Vorstellungen widerspiegeln, sondern auch äußerlich zu der Geschichte passen, die ich erzählen wollte.

Wo mir Wissen oder bestimmte Fähigkeiten fehlten, habe ich versucht, sie mir selbst anzueignen oder gezielt Unterstützung einzuholen. Die kreativen und organisatorischen Entscheidungen lagen dabei weiterhin bei mir.

Eine ähnliche Erfahrung hatte ich bereits beim Aufbau meiner eigenen Website für meine Kunst und meine Kleidungsdesigns gemacht. Auch dort musste ich mich mit zahlreichen Themen auseinandersetzen, die ursprünglich nicht zu meinen eigentlichen kreativen Tätigkeiten gehörten.

Vielleicht ist genau das eine der wichtigsten Erkenntnisse aus solchen Projekten: Man muss nicht von Anfang an wissen, wie alles funktioniert.

Man muss allerdings bereit sein, sich damit auseinanderzusetzen.

Nach dem ersten Roman ist vor dem zweiten

Inzwischen arbeite ich bereits intensiv an meinem zweiten Roman.

Viele Erfahrungen, die ich während der Entstehung von „Der Herzensammler“ gesammelt habe, fließen unmittelbar in dieses neue Projekt ein.

Ich gehe strukturierter an die Planung heran, beschäftige mich bewusster mit der Entwicklung meiner Figuren und versuche, dramaturgische Probleme möglichst frühzeitig zu erkennen.

Auch die Rückmeldungen aus dem Lektorat und der Verlagssuche möchte ich bei meiner nächsten Geschichte berücksichtigen.

Das bedeutet natürlich nicht, dass ich inzwischen alles über das Schreiben eines Romans weiß.

Im Gegenteil.

Je intensiver ich mich damit beschäftige, desto deutlicher wird mir, wie viel es auf diesem Gebiet noch zu lernen gibt.

Aber genau darin liegt für mich auch ein großer Teil des Reizes.

Von einer Skeletthand zu einer ganzen Geschichte

Wenn mir im Oktober 2025 jemand gesagt hätte, dass aus einer einfachen Halloween-Zeichnung ein vollständiger Roman entstehen würde, hätte ich das vermutlich selbst kaum geglaubt.

Damals wollte ich lediglich eine kleine Gruselgeschichte zu einem meiner Bilder erzählen.

Heute halte ich ein gedrucktes Buch in den Händen, dessen Geschichte, Figuren und Entwicklung mich fast ein ganzes Jahr begleitet haben.

Und das alles begann mit einer einzigen Frage:

Was könnte diese Skeletthand eigentlich festhalten?

Manchmal braucht es offenbar nicht mehr als eine kleine Idee, etwas Neugier und die Bereitschaft, einfach anzufangen.

Simon Graßhoff – SGrasshoffArt

Oktober 2026

 
 
 

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