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Der Surfonaut

  • simongra
  • 29. März
  • 4 Min. Lesezeit

Auch als Audio hier:


Es dämmerte er stand im Licht der beiden Sonnen auf staubigem, kiesigem und kargem Boden und begann sich zu dehnen, damit er weiterlaufen konnte. Seine Beine fühlten sich noch wackelig an, wie immer, wenn er gerade gesprungen war.

Hinter ihm ertönte der Laut einer Katze.

„Schon gut Kitty, gleich gibt’s ja was.“

Der Mann drehte sich um und nahm die Katze hoch. Sie begann zu Schnurren.

Dann ging er in Richtung der Stadt, die vor ihm lag.

Diese war nicht besonders groß und aufgebaut wie eine alte Westernstadt.

Jedoch blinkten von den Hotels und Geschäften Neonlichter und Menschen, aber auch menschenartige Wesen ritten auf Pferden durch die Gassen. Die Pferde waren aber nicht lebendig, sondern mechanische Konstrukte, Nachbauten der Geschöpfe, die es früher einst auf einem fernen kleinen Planeten gegeben haben, soll.

Der Mann blieb jetzt vor einem runtergekommenen Haus, das mit mehreren Metallplatten geflickt worden war, stehen. Über dem Eingang prankte ein Neonschild und zeigte flackernd den Schriftzug „Tom’s Homes“ an.

Er ging hinein.

„N Abend Arian.“ Raunte eine tiefe Stimme hinter dem Tresen hervor.

„Hey Tom.“ Grüßte er zurück.

„Warst diesmal länger weg als sonst. Gabs Probleme?“

„Nicht wirklich, aber der Sprung zwischen Elon3XB2 und hier ist immer ein Erlebnis.“

„Na ja, das glaub ich. Auf Gravitationswellen zu surfen war noch nie meins, da nehm ich lieber nen Spacehawk. Dauert länger aber ist auch höchstens halb so gefährlich.“ Tom nickte mit ernstem Blick.

„Und das deine Kitty das überhaupt mitmacht…“

„Ehrlich gesagt verträgt sie es glaube ich besser als jeder Mensch. Sag mal wie viel Zeit ist diesmal hier vergangen? Der Sprung betrug ca. 10000 Lichtjahre, dann müssten nach meiner Berechnung ungefähr 1000 Jahre und drei Tage vergangen sein.“

„Vier.“ Antwortete Tom. „Vier Tage.“

„Verdammt, dann reichts nicht. Ich muss nochmal anschreiben.“

Tom nickte und markierte einen Strich auf der Karte mit seinem Namen.

„Du könntest natürlich auch anders…“ rief er Arian hinterher, der schon auf dem Weg zum Fahrstuhl war.

„Hast doch bestimmt was gefunden oder?“ Tom grinste jetzt verschmitzt.

„Nein Tom, diesmal wirklich nicht.“

Arian fuhr nach oben in den 27. Stock, dort hatte er ein kleines Einzimmer Apartment gemietet. Die Pflanze, die er vor seine Reise hatte stehen lassen war nicht mehr da. Na ja, nach 1000 Jahren ohne Gießen wäre das auch ein Wunder gewesen.

Zeit funktionierte in seiner Welt schon längst anders. In der Galaxie, in der er lebte hatten sich bereits mehrere Sonnensysteme und benachbarte Planeten zusammengeschlossen und untereinander ausgetauscht. Das Problem mit der Zeit beim interstellaren Reisen hatte man inzwischen damit gelöst, dass man sich für alle bewohnten Planeten auf eine durschnittliche Standartentfernung einigte und damit eine gemeinsame Zeit. Verschiedene Zeitzonen gab es immer noch, aber sie hatten nicht mehr die gewaltigen Ausmaße wie in früheren Tagen. Damit die Bewohner der Planeten sich an die Standartzeit anpassen konnten, wurde der Kryoschlaf zur normalen Schlafmethode. So war es möglich, dass sich Tom und Arian trotzdem auch nach 1000 Jahren wieder begegnen konnten. Tom hatte in dieser Zeit praktisch 10-mal geschlafen und war dazwischen jeweils einen Tag wach. Die Sache hatte natürlich auch einen Haken, denn der Kryoschlaf lässt die Zellen extrem schnell altern. Und auch für dieses Problem fand man später eine Lösung: „Nischtin.“

Eine ungewöhnliche, unscheinbare Substanz, die der Körper wie Nahrung aufnehmen konnte. Man stellte fest, dass diese Substanz nicht nur berauschend wirkt, sondern das Zellwachstum und Absterben nahezu stoppt. Leider kommt Nischtin nur auf einem winzigen Planeten vor, der nicht von mehreren Sonnen, sondern von gleich drei Schwarzen Löchern umgeben ist. Dorthin zu gelangen ist ein Wunder, wieder von dort wegzukommen praktisch unmöglich und sich auf Elon3XB2 aufzuhalten reiner Selbstmord.

Man hatte dort eine Strafkolonie für die aller schlimmsten Verbrecher der Galaxie errichtet. Diese zwang man dann das Nischtin abzubauen.

Nischtin wurde auf Grund seiner Wirkung, der Nachfrage und der absoluten Seltenheit zur Überdroge, die sich mittlerweile nur noch die Reichen und Personen mit Macht und Einfluss leisten konnten.

Außer es gelang jemandem außerhalb des Systems etwas von Elon mitgehen zu lassen.

So jemand war Arian. Er reiste mit einem Spaceboard über Gravitationswellen durchs All, was ihm half den Schiffen der Föderation zu entkommen. Das Reisen auf einem Spaceboard war extrem riskant, ein kleinster Fehler und man wurde quer durchs All katapultiert und war gezwungen völlig antriebslos durch die Schwerelosigkeit zu treiben, bis einen jemand fand oder einem der Körper versagte.

Arian hatte solche Sprünge mittlerweile schon oft unternommen, auch das Springen in ein Schwarzes Loch erfordert extreme Präzision, weil es einen sonst zerreißt.

Auch wenn Arian diese Risiken auf sich nahm und es ihm hin und wieder auch gelang etwas Nischtin zu schmuggeln, hatte ihn das nicht reich gemacht. Im Gegenteil sogar, früher arbeitete er als Spacecop für das Gesetz der Föderation, dann hatte er es bei einem Verhör etwas zu weit getrieben und wurde als Aufseher nach Elon strafversetzt. Er tat sich dort mit einigen weiteren Wärtern zusammen und begann Nischtin zu schmuggeln. Doch als die Sache irgendwann aufflog, wechselte er schnell die Seiten. Plötzlich war er nicht mehr derjenige, der anderen die Ketten anlegte, sondern einer derer, die sie trugen.

Eines Tages gelang ihm jedoch die Flucht. Er stahl ein Spaceboard und schaffte schließlich auch den Sprung durch eines der Schwarzen Löcher, was ihn zu diesem Planeten brachte.

Er hatte versucht sich mit irgendwelchen Gelegenheitsjobs durchzuschlagen. Er erledigte mit seinem Spaceboard viele Botensprünge und machte Besorgungen für Reiche Persönlichkeiten, die ihm dafür grade mal etwas zum Überleben hinterließen.

Als er aber an Nischtin kam, sprachen sich seine Botensprünge herum. Zunächst holte er es nicht selbst, sondern arbeite mit einem Mittelsmann, doch als dieser geschnappt wurde, musste Arian sein Geschäft neu aufbauen.

Eine Zeitlang lief auch das gut, bis ihn ein Politiker, der seinen Fall von früher kannte, anfing zu erpressen. Nun war Arian dazu gezwungen unterzutauchen und fast ohne Entlohnung Nischtin zu schmuggeln.

Doch ewig wollte er das nicht auf sich sitzen lassen. Er versuchte mittlerweile etwas über diesen Politiker herauszufinden, um ein Gegenmittel zu haben. Doch bisher war ihm das nicht gelungen.

Er betätige den Knopf der Kapsel und legte sich mit Kitty hinein. Eine weitere Runde Kryoschlaf stand bevor, ehe er seine Mission weiterverfolgen würde. 

 
 
 

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