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Chronik von Firrock

  • simongra
  • 24. Okt. 2025
  • 5 Min. Lesezeit

Die Geschichte der Grafen von Firrock – Vom Ursprung bis zur Legende von Faithful

Pars Prima – Vom Ursprung des Felsens

Im Anfang war nichts denn ein einsamer Fels, ragend aus weiter Flur und grüner Wiese. Und man sagt, es sei geschehen zu einer fernen Weihnacht, da kam ein Reisender mit seinem Weibe, seinen Kindern und einer Katze an jenen Ort. Sie rasteten daselbst, schlugen ihre Zelte auf und stellten einen Tannenbaum auf, welchen sie von fernher mitgebracht hatten.

Nicht lange verweilten sie, sondern zogen weiter gen Osten. Doch die Spuren ihres Bleibens blieben im Gestein und in der Erde bewahrt.

Hundert Jahre waren vergangen, da wandelte sich die Flur ringsum. Der Fels erhob sich nunmehr aus einem dichten, dunklen Wald, in welchem unzählige Tannen wuchsen, so dass die Leute des nahen Dorfes ihn nannten Tannenfelsen, oder in ihrer Zunge: Firrock.

Jenem Dorf, so erzählt man, gaben eben jene Wanderer den Ursprung, da sie es gründeten fernab des Waldes, nahe den klaren Wassern. Als sodann ein König das Land regierte, sandte er seinen Verwalter, einen Mann von Rang, auf dass er dort die Herrschaft führe. Und so ward aus dem Dorfe, dem Walde und dem Felsen die Grafschaft Firrock.

Der Graf bestieg mit seinen Mannen den Felsen und sprach: „Hier will ich meine Burg errichten. Von diesem Orte aus will ich über die ganze Grafschaft wachen, und meine Untertanen sollen stets unter meinem Blick sein.“

Doch er erlebte nimmer den vollendeten Bau. Nur der erste Turm, der spätere Kern von Firrock Castle, ward zu seinen Lebzeiten errichtet. Denn mühselig war das Werk: Alles Werkzeug und jedes Steinwerk musste durch den finsteren Tannenwald getragen und hoch hinauf geschafft werden. Und der Graf, der in törichter Zuversicht nur in einem Zelte auf dem kahlen, windigen Felsen wohnte, erkrankte schwer und verschied.

Sein ältester Sohn übernahm daraufhin in des Königs Namen die Geschäfte und ließ den Bau fortsetzen. Er war es, der befahl, eine mächtige steinerne Brücke über den Wald zu schlagen, hinauf zu dem einsamen Turm. Und so ward aus dem einsamen Turm mit der Zeit wahrhaft eine Burg, mit Türmen zu allen Himmelsrichtungen.

Pars Secunda – Von den Grafen und Kriegen

Schließlich nach dem Tode des zweiten Grafen führte auch dessen ältester Sohn, Lord Alaric von Firrock, das Werk fort. Unter ihm wuchs die Burg weiter, wurde massiv und schien schier uneinnehmbar und das Land begann zu blühen. Doch Frieden war ein seltener Gast in jenen Tagen.

Denn südlich erhob sich ein anderer Herr, der Anspruch auf die Wälder Firrocks erhob. So kam es zum ersten Krieg um das Holz des Nordens. Man erzählt, dass der Wald selbst in jenen Nächten flüsterte, dass sich die Tannen neigten und mit ihren Ästen die Feinde aufhielten. Viele sahen darin ein Zeichen, dass Firrock unter göttlichem Schutz stünde.

Lord Alaric fiel im Kampf, doch sein jüngerer Bruder Cedric nahm den Titel an sich und lockte seinen Neffen in einen Hinterhalt im Tannenwald. Seither besteht dort eine Lichtung mit nur einer Tanne in der Mitte, deren Nadelspitzen immer gerötet erschienen. Diese einsame Tanne wurde Blutbaum genannt. Und nur, wer Wünsche an böse Mächte hatte kehrte dorthin und ließ ein zuvor lebendiges Opfer zu Fuße des Baumes. So kame es, dass man manchen Tages einen toten Vogel auf der Lichtung fand.

Lord Cedric I ließ eine Mauer um das Dorf errichten und erhob Steuern auf jedes geschlagene Stück Holz und alles was ihm sonst noch in den Sinn kam.

So kam Leid über das einfache Volk, und die Dorfbewohner begannen, ihren neuen und unrechtmäßigen Herrn heimlich zu verfluchen.

Manche Chronisten schreiben, dass in jenen Jahren die erste Dunkelheit über Firrock kam – nicht von außen, sondern aus Menschenherzen. Denn Lord Cedric I von Firrock, den sie später den Peiniger nannten, vertraute niemandem. Er ließ Späher in den Wald schicken, um auf Aufrührer zu achten, und wer sich widersetzte, den ließ er am Steintor aufhängen, zum Schrecken der anderen.

Doch keine Macht währt ewig. Ein ferner König, dessen Reich über das Meer reichte, sandte seine Banner gegen das Land. Seine Schiffe stiegen die Flüsse hinauf wie graue Drachen, und bald brannten die Dörfer des Westens. Da sandte der König des Reiches selbst Boten nach Firrock, denn er wusste, dass nur die Höhen der Burg standhalten konnten.

Schließlich zog König Argon der Weise mit seinen Rittern gen Firrock, wo Lord Cedric I, gealtert und gramvoll, ihm die Schlüssel der Burg übergab. Drei Monde lang hielten sie stand gegen die fremden Invasoren.

Man erzählt, dass der König selbst auf den Zinnen kämpfte, sein Schwert leuchtend wie der Mond über dem Fels.

Als der Feind schließlich wich, ließ König Argon ein Banner mit dem Wappen der weißen Tanne auf grünem Grund – dem Zeichen Firrocks – an der höchsten Turmspitze hissen und sprach: „Dieses Haus soll bestehen, solange Treue und Mut im Herzen der Menschen wohnen.“

Doch nach dem Sieg herrschte Müdigkeit über Land und Leute.

Die Tochter Cedrics I wurde nach dessen Tod und der Heirat mit einem der jüngeren Königssöhne selbst zur neuen Gräfin von Firrock.

Sie ließ mit Zustimmung ihres Gatten ein Kloster errichten und gab den Bauern die Felder zurück, die in den Kriegsjahren verwüstet worden waren. So begann eine Zeit des Friedens, und Firrock wurde zu einem Ort des Lernens und der Handwerkskunst.

Die nachfolgenden Generationen – Lord Bran, Lady Isolde, und ihr Sohn Cedric II – pflegten den Bund mit dem Königshaus. Sie hielten Gericht, ehrten die Kirche und gaben Arbeit den Armen. Man sprach vom Goldenen Jahrhundert von Firrock, da das Land in Wohlstand und Ehre stand, und die Glocken der Burg jeden Abend über die Wälder klangen.

Pars Tertia – Vom Niedergang des Hauses und der Legende Faithfuls

Doch kein Glanz währt ewig.

Im dritten Jahrhundert des Hauses Firrock kam die Zeit der Prüfungen. Lord Cedric II, der jüngere, ward abermals zum Kriegsdienst gerufen, um fern in den südlichen Ebenen für den König zu streiten.

Zurück blieb seine Gemahlin, Lady Eleanor von Firrock, eine Frau von edlem Herzen und stillem Leid. Denn sie ahnte, dass ihr Gatte nicht heimkehren würde.

Nur eine blieb ihr treu: eine Katze, mit Augen, die leuchteten wie Smaragde. Man nannte sie Faithful, die Getreue.

Die Chroniken berichten, dass in den letzten Jahren der Lady kaum ein Laut durch die Hallen ging, außer dem Knistern des Feuers und dem sanften Schnurren der Katze. Wenn die Herrin weinte, legte Faithful ihr Haupt in ihren Schoß und blickte sie an, als wolle sie ihr Trost spenden.

Als die Lady verschied, fand man Faithful an ihrer Seite, stumm und leblos, als habe sie beschlossen, ihrer Herrin zu folgen. Doch die Liebe, so sagen die Alten, endete nicht mit dem Tod.

In der Nacht ihres Hinscheidens glomm über den Türmen ein grünes Licht, das sich leise über die Mauern bewegte, wie ein Schatten aus Mondschein.

Und wer seither in klaren Nächten durch den Wald wandelt, sieht es wandern über die Zinnen und hört ein fernes, tröstendes Schnurren.

Darum lehren die Alten: „Wer das Licht von Firrock sieht, soll still stehen und sich verneigen, denn das ist Faithful, die Hüterin der Liebe, die den Tod besiegt hat.“

Epilog

Und so endet die Chronik der Grafen von Firrock, deren Ruhm verging, doch deren Treue in einer Katze weiterlebt – dem grünen Licht von Firrock, dem Zeichen ewiger Liebe.

Denn Lady Eleanor starb kinderlos.

Firrock Castle verfiel, wurde rau und staubig und dichte Rancken kletterten vom Felsen empor und erklommen die Türme der Burg. So waren es keine fremden Menschen, die schließlich Firrock eroberten, sondern der Wald und die Natur selbst.

Heute steht selbst auf dem höchsten Turm der Burg eine Tanne mit dicken Wurzeln, auf der in mancher Nacht eine Katze klettert.

 
 
 

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